Der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord zeichnet den Waldkindergarten Muggensturmer SpielWALD als „Naturpark-Kindergarten“ aus.

Wie entsteht ein Apfel und wie kann er verwertet werden? Warum ist es wichtig, Müll zu vermeiden? Und wie leben Vögel im Winter? Das und vieles mehr haben die Kinder im Waldkindergarten Muggensturmer SpielWALD in Muggensturm (Landkreis Rastatt) bei ihren Naturpark-Projekten erlebt und gelernt. Nun hat der Kindergarten die Voraussetzungen erfüllt, um die Auszeichnung „Naturpark-Kindergarten“ zu erhalten.
In Deutschland ist er damit der 200. Naturpark-Kindergarten. Nach dem Kindergarten St. Michael in Bühlertal und dem Kindergarten St. Christophorus in Weisenbach ist es der dritte im Landkreis Rastatt. Im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord ist es der 21. Am Mittwoch (1. Oktober) überreichte die Stellvertretende Geschäftsführerin des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord, Yvonne Flesch, die offizielle Urkunde und eine Plakette mit dem Schriftzug „Naturpark-Kindergarten“ an die Leiterin des Kindergartens, Simone Müller, und ihr Team.
„Das pädagogische Team des Waldkindergarten Muggensturmer SpielWALD in Muggensturm zeigt eindrucksvoll, wie Kinder durch eigenes Tun, Forschen und Gestalten ein tiefes Verständnis für Nachhaltigkeit entwickeln – praxisnah, kreativ und mit viel Herz für Mensch und Natur“, begründet Flesch die Auszeichnung. Dies unterstreicht Sabine Huck, geschäftsführende Gesellschafterin der Spielwiese Baden-Baden: „Der Wald, die Wiesen, die Tiere und Pflanzen – all das wird für die Kinder zum Lern- und Erfahrungsraum. Hier wird nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Begeisterung geweckt: für die Natur, für das Kulturgut, für unsere Heimat. Für das, was uns umgibt.“




Kinder dürfen im Naturpark-Kindergarten die Projekte aktiv mitgestalten
Den Alltag der Kinder im Naturpark-Kindergarten stellt die Kindergarten-Leiterin Simone Müller in den Vordergrund. „Wir sind überwiegend draußen unterwegs. Unser Alltag ist geprägt von den Erlebnissen der Kinder. Daraus entstehen interessante Fragestellungen, aus denen wir dann ein Naturpark-Projekt machen. Dieser direkte Praxisbezug passt perfekt zum Konzept der Naturpark-Kindergärten“, erläutert Müller. Die Kinder hören aufmerksam zu und ein Mädchen erzählt: „Im Winter haben die Vögel nicht mehr so viel Futter gefunden und hatten Hunger. Deshalb haben wir selbst Vogelfutter gemacht und ins Vogelhäuschen gelegt.“
Zuhause berichten die Kinder dann auch begeistert von ihren Naturpark-Projekten, erzählt die Elternvertreterin Jenny Herm. „Vögel sind bei uns immer ein Thema. Wir haben nach der Anleitung aus dem Kindergarten auch zuhause Vogelfutter gemacht und Vogelnester gebaut. Die Kinder lernen im Naturpark-Kindergarten sehr viel. Zuhause setzen sie das Gelernte dann auch um. Zum Beispiel achten sie penibel darauf, dass wir den Müll richtig trennen.“
Der Bürgermeister der Gemeinde Muggensturm, Johannes Kopp, verweist in seiner Rede auf die zahlreichen Jubiläen: „Ich freue mich sehr, dass der Kindergarten passend zu seinem fünfjährigen Bestehen das Prädikat Naturpark-Kindergarten erhält. Das auch noch als 200. Naturpark-Kindergarten in Deutschland und im Jahr des 25-jährigen Bestehens des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord! ‚Naturpark-Kindergarten‘ ist eine besondere Auszeichnung, die zeigt: Hier dürfen Kinder entdecken und mitgestalten. Sie sind ein aktiver Teil der Naturpark-Familie und erleben auf diese Weise, wie wichtig unsere wunderschöne Kulturlandschaft ist!“
Über die Naturpark-Projekte haben sich bei der Auszeichnungsfeier auch die Landtagsabgeordneten des Wahlkreises Rastatt Dr. Alexander Becker (CDU) und Jonas Weber (SPD) informiert.







Auszeichnung als Naturpark-Kindergarten ist Zeichen der Wertschätzung
„Die Auszeichnung ist ein Zeichen der Wertschätzung für die praxisnahen Naturpark-Projekte, die Sie für und mit den Kindern entwickeln und mit Kooperationspartner aus der Region umsetzen“, sagt die Stellvertretende Naturpark-Geschäftsführerin Yvonne Flesch bei der Auszeichnungsfeier in Muggensturm an das pädagogische Team gerichtet. Und die Naturpark-Projektmanagerin für die Naturpark-Kindergärten, Susanne Wagner, führt weiter aus: „Es ist Aufgabe des Naturparks und es ist uns persönlich auch ein Herzensanliegen, dass die Kinder so früh wie möglich einen positiven und engen Bezug zu ihrer Heimat entwickeln können und die Zusammenhänge in der Natur verstehen lernen.“
Nach der offiziellen Urkundenübergabe erläutert sie den Inhalt der Naturpark-Entdeckerkiste, die die Kinder geschenkt bekommen. Mit viel Begeisterung räumen sie zusammen mit Naturpark-Kindergarten-Maskottchen Urli Auerhahn die Entdeckerkiste der Naturpark-Detektive aus. Sie bestaunen Kinderbücher rund um die heimische Tier- und Pflanzenwelt sowie Entdecker-Instrumente, mit denen sie die Natur erforschen können.


Naturpark-Projekt zum Apfel
Bei ihrem Naturpark-Projekt „Kleiner Kern, großer Baum – wir erkunden den heimischen Apfel“ erforschten die Kinder des Waldkindergartens Muggensturmer SpielWALD ihre unmittelbare Umgebung. Ausgehend von einem umgestürzten Apfelbaum lernten sie, wie Äpfel wachsen, reifen und verarbeitet werden. Auf Streuobstwiesen sammelten sie Früchte, erfuhren ihre Bedeutung für Tiere und Menschen und probierten regionale Produkte wie frisch gepressten Saft. Unterstützt wurden sie dabei von Eltern, einer örtlichen Kelterei und dem Obst- und Gartenbauverein. Im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)entwickelten die Kinder Wertschätzung für regionale Lebensmittel, Artenvielfalt und den Erhalt der Streuobstwiesen als wertvolles Kulturerbe ihrer Heimat.
Naturpark-Projekt zu Vögeln im Winter
Beim Naturpark-Projekt „Kinder leben Artenschutz – heimische Vögel im Winter“ übernahmen die Kinder Verantwortung für Natur und Tiere. Ausgehend von einem kaputten Vogelhaus bauten sie neue Futterstellen, stellten selbst Vogelfutter her und lernten verschiedene heimische Arten zu unterscheiden. Im Wald beobachteten sie das Verhalten und die Lebensräume heimischer Vögel. Unterstützt von Eltern und einem Ornithologen erweiterten sie Wissen und Wortschatz, stärkten handwerkliche und soziale Kompetenzen und erlebten Selbstwirksamkeit. So wurden Artenschutz und Nachhaltigkeit unmittelbar Teil ihres Alltags.
Als die Kinder täglich abwechselnd die „Vogelfutter-Verantwortung“ übernahmen, beobachteten sie aufmerksam, welche Gäste zum Futterhaus kamen. Eines Morgens rief ein Kind begeistert: „Der mit der roten Brust ist schon wieder da!“ – und alle erkannten, dass es sich um „ihr“ Rotkehlchen handelte. Von da an bekam der kleine Wintervogel einen festen Platz in Gesprächen, Liedern und Bildern. So wurde aus einem simplen Beobachtungsobjekt ein vertrauter Freund, den die Kinder mit Stolz und Fürsorge begleiteten – und dabei lernten, wie wertvoll Achtsamkeit im Artenschutz ist.
Naturpark-Projekt zur Müllvermeidung
Beim Naturpark-Projekt „Kleine Hände, große Wirkung! Unser Beitrag zum Schutz der Umwelt“ setzten sich die Kinder intensiv mit den Themen Müllvermeidung, Recycling und Nachhaltigkeit auseinander. Sie gestalteten eigene Mülltonnen, übten das richtige Sortieren, führten Mülltrennung im Kindergartenalltag ein und räumten den umliegenden Wald in einer großen Sammelaktion auf. Besonders eindrücklich war das „Verrottungs-Experiment“: In einem Aquarium vergruben die Kinder unterschiedliche Abfälle und entdeckten nach einigen Wochen die ersten Veränderungen: Bananenschale und Eierkarton zerfielen langsam, während Plastik unverändert blieb.
Eine Szene blieb allen besonders im Gedächtnis: Als ein Kind den völlig unversehrten Joghurtbecher wieder aus der Erde zog, meinte es nachdenklich: „Der will ja gar nicht verschwinden. Dann bleibt er für immer bei den Tieren im Wald!“ In diesem Moment wurde den Kindern sehr konkret bewusst, warum Mülltrennung und -vermeidung so wichtig sind. Ein Aha-Erlebnis, das sie stolz mit nach Hause nahmen.




Prägende Eindrücke schaffen Heimatverbundenheit
In den Naturpark-Kindergärten lernen die Kinder die Natur und die Tiere in ihrer Region kennen. „So bauen sie schon früh eine enge emotionale Bindung zu ihrer Umwelt auf“, sagt Naturpark-Projektmanagerin Susanne Wagner bei der Auszeichnungsfeier. „Das ist für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur sehr wertvoll. Bei den Projekten kommen die Kinder ihrer Heimat mit Herz und Hand nahe. Das sind Eindrücke, die prägen.“


Die Auszeichnung zum Naturpark-Kindergarten kann ein Kindergarten in der Regel nach einem Jahr erwerben. Die Zertifizierung ist fünf Jahre gültig. Mit der Auszeichnung ist der Kindergarten dazu verpflichtet, festgelegte Qualitätsstandards einzuhalten. Dazu zählt etwa, sich aktiv mit Projekten einzubringen und dafür Partnerinnen und Partner aus der Region zu gewinnen, an Fortbildungen teilzunehmen und eine ganzheitlich nachhaltige Entwicklung anzustreben.
Hintergrund: Das Konzept der Naturpark-Kindergärten
Im Naturpark-Kindergarten lernen die Kinder bei vielseitigen Projekten ihre Heimat in der Naturpark-Region besser kennen und bauen so eine natürliche Verbundenheit zu ihr auf. Die Erzieherinnen und Erzieher machen mit den Kindern Ausflüge und besuchen regionale Fachleute aus den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, Obst- und Gartenbau, Naturschutz, Kultur und Brauchtumspflege sowie dem lokal ansässigen Handwerk. So lernen die Kinder etwa, woher die Lebensmittel kommen, wie sie sich gesund und regional ernähren können oder wie auf Bauernhöfen, Streuobstwiesen, im Forst oder im Handwerk gearbeitet wird. In den Naturpark-Kindergärten wird Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in die Praxis umgesetzt. Das BNE-Konzept ist im Bildungsplan der Landesregierung verankert.
Text & Fotos: Gundi Woll
GW/01.10.2025




