Prädikat ist Zeichen der Wertschätzung für den Einsatz zur Offenhaltung der Landschaft und zur tierwohlorientierten Rinderhaltung.




Die Hochland-Rinder von Christine und Axel Baumann leben auf den Wiesen rund um Baden-Baden – ganzjährig und von der Geburt bis zu ihrem Lebensende. Damit sorgen sie für die Offenhaltung der Täler und tragen zur Biodiversität bei. Dafür sowie für das nachhaltige Wirtschaftskonzept des Betriebs hat der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord den Biohof am Dienstag (23. September) als „Naturpark-Partner“ ausgezeichnet. 21 Naturpark-Partner gehören mittlerweile dem Netzwerk an. In Baden-Baden sind es vier. Das Prädikat Naturpark-Partner steht für gelebte Regionalität und eine nachhaltige Wirtschaftsweise.
Tierwohl, Landschaftspflege, Agroforst und Direktvermarktung
„Die Baumanns verbinden Tierwohl und Landschaftspflege. Mit der Direktvermarktung über die nur zwei Kilometer entfernte Geroldsauer Mühle – ebenfalls Naturpark-Partner – entsteht die Wertschöpfung sogar im selben Ort. Und mit dem durch das Naturpark-Agroforst-Projekt erarbeiteten Konzept gehen sie neue Wege bei der Kombination von Tierhaltung, Streuobstwiesen und Biodiversität“, beschreibt der Geschäftsführer des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord, Karl-Heinz Dunker, das Engagement und überreicht die Plakette mit dem Schriftzug „Naturpark-Partner“ an Axel und Christine Baumann.
Das Prädikat Naturpark-Partner sieht das Ehepaar Baumann als Zeichen der Wertschätzung. „Es ist uns ein Herzensanliegen, dass unsere Rinder ein schönes Leben haben. Die saftigen Schwarzwälder Wiesen hier in Geroldsau bieten einen schönen Lebensraum und Futter. Im Gegenzug halten die Rinder die Landschaft offen. Wichtig ist uns deshalb auch, dass ihr Fleisch bei uns verarbeitet und regional vermarktet wird. Das Naturpark-Partner-Netzwerk verbindet uns noch enger mit regionalen Akteuren“, sagt Axel Baumann und nimmt die Plakette in Empfang.







Der Betrieb ist auch für die Stadt Baden-Baden ein großer Gewinn, wie der Erste Bürgermeister Alexander Wieland hervorhebt: „Die Familie Baumann ist total sympathisch und setzt immer wieder neue Ideen um. Mit ihrem Biohof erhält sie unsere wertvolle Kulturlandschaft, stärkt unsere lokale Wirtschaft, schafft Identität, bietet hochwertiges Fleisch und trägt damit zur Lebensqualität und zum Image der Stadt Baden-Baden bei. Dafür sind wir dankbar!“
Dass das Tal bei Geroldsau nach wie vor von Streuobstwiesen und Weiden bis hin zum Waldrand geprägt ist, ist das Verdienst der Baumanns. „Ohne den Betrieb der Baumanns hätten wir einige der Wiesen nicht erhalten können. Ihre Arbeit ist für uns sehr wertvoll!“, sagt der Leiter des Forstamts Baden-Baden, Thomas Hauck. „Die Wiesen tragen zum Natur- und Artenschutz sowie zur Erholung von Einwohnern und Gästen bei. Zudem sorgen sie für Frischluftzufuhr für die Stadt“, erläutert Hauck.
Das nachhaltige Betriebskonzept des Biohofs Baumann in Baden-Baden
Der 1990 von Christine und Axel Baumann gegründete Hof startet als Hobby-Betrieb mit vier Hochland-Rindern in Mutterkuhhaltung. Seit 1992 ist der Hof bio-zertifiziert. Vor zehn Jahren wurde das Betriebsgebäude mit Schlachthaus und Verarbeitungsküche eingeweiht. Bis heute betreiben Christine und Axel Baumann den Hof im Nebenerwerb. Dieser basiert auf drei Säulen: der besonders kontrollierten und transparenten Herdbuch-Züchtung hochwertiger Highland Cattle, der Direktvermarktung von Biofleisch sowie der Landschaftspflege durch Beweidung. Der Betrieb bewirtschaftet rund 120 Hektar Grünland, darunter Streuobstwiesen mit etwa 700 Bäumen.
Auch in Sachen Nachhaltigkeit setzt der Biohof Maßstäbe: Alle Futtermittel stammen vom eigenen Hof. Mist wird als Dünger auf den Flächen ausgebracht. Maschinen laufen mit biologischen Ölen. Und eine Photovoltaikanlage versorgt den Betrieb weitgehend mit erneuerbarer Energie. Zusätzlich engagiert sich der Hof im Bereich Bildung: Schülerinnen und Schüler erhalten hier praxisnahe Einblicke in Tierhaltung, Pflanzenbestimmung und Lebensmittelverarbeitung.
„In unserem Betrieb steckt viel Idealismus. Unsere Motivation war es, die wunderschönen Waldwiesen nach ihrer Verbuschung wieder herzustellen und das Tal offen zu halten“, sagt Axel Baumann. Die Nähe zur und Identifikation mit der Natur haben Christine und Axel Baumann auch an Tochter Naomi weitergegeben. „Man wächst mit der Natur auf und gibt ihr auch wieder etwas zurück – so bin ich aufgewachsen“, beschreibt Naomi Baumann ihre Verbindung zum Oostal. Sie hilft neben ihrem Studium auf dem Hof mit. Für Gäste hat sie ein Tiny House aus Holz auf dem Hof gebaut. Mit Blick auf die Schwarzwälder Kulturlandschaft können Gäste dort übernachten und den Hofalltag miterleben.




Rinder leben von Geburt an auf den Wiesen
Die rund 80 Hochland-Rinder leben ganzjährig auf den Weiden und kalben im Freien. Sie sind sehr robust. Das Fleisch wird über einen Weideschuss gewonnen. Die Rinder werden dann im hofeigenen Schlachthaus zerlegt. Das Biofleisch ist unter anderem über den Mühlemarkt in der Geroldsauer Mühle (ebenfalls Naturpark-Partner) erhältlich.
Biohof nimmt an Agroforst-Projekt des Naturparks teil
Ein Anliegen der Baumanns ist es, durch die im Rahmen des Agroforst-Projekts des Naturparks entstehenden Strukturen mehr Schatten für ihre Rinder zu erzeugen. Das für den Betrieb individuell erarbeitete Konzept sieht vor, die alten Streuobstbäume um weitere zu ergänzen und zusätzlich Reihen mit Wertholzbäumen zu pflanzen.
Das Netzwerk an Naturpark-Partnern
Insgesamt gehören 21 Betriebe und Organisationen aus den Bereichen Landwirtschaft, Regionalverarbeitung und -vermarktung sowie Tourismus dem Netzwerk der Naturpark-Partner an.
Zum Partner-Netzwerk gehören neben dem Biohof Baumann die Weingüter Schloss Neuweier und Maier (Baden-Baden), Kopp (Sinzheim), die Waldulmer WG (Kappelrodeck) und s‘Wilde Weingut (Sasbachwalden) sowie die Imkerei Cum Natura (Bühl), der Biolandhof Reiser (Straubenhardt), der Aspichhof (Ottersweier) und der Jungbauernhof mit Bogenparcours Schwarzwald (Mühlenbach) sowie die Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald (Bad Liebenzell), die Naturpark-Marktscheune (Berghaupten), Dolle Frieders Burewirtschaft (Sasbachwalden), die Zeller Mühle (Ottersweier), die Nationalparkregion Schwarzwald (Baiersbronn), die Geroldsauer Mühle (Baden-Baden), die Metzgerei Seeger (Kuppenheim), der Aulachhof (Muggensturm) und das Hofgut Silva (Oberkirch) mit der zugehörigen Metzgerei (Gengenbach) und der Bio-Obsthof Schindler in Achern.
Interessierte Betriebe können sich an die Naturpark-Geschäftsstelle wenden. Weitere Informationen gibt es zudem auf der Internetseite des Naturparks unter www.naturparkschwarzwald.de.
Hintergrund: Das Konzept hinter der Auszeichnung „Naturpark-Partner“
Das Naturpark-Partnerprogramm ist ein bundesweites Konzept des Verbands Deutscher Naturparke (VDN). Es richtet sich an Betriebe, Organisationen und Institutionen, die mit ihrer Arbeit in besonderer Weise einen Beitrag für die Region und deren nachhaltige Entwicklung leisten. Angesprochen werden Betriebe verschiedener Branchen, z. B. aus Land- und Forstwirtschaft, Verarbeitung, Handwerk, Handel, Bildung und vielen weiteren Bereichen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Betrieben, die mit ihrer täglichen Arbeit dazu beitragen, die Kulturlandschaft zu erhalten und sich durch einen nachhaltigen und schonenden Umgang mit Umwelt und natürlichen Ressourcen auszeichnen.
Mit der Auszeichnung zum Naturpark-Partner wird dieses Engagement für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht. Jeder Betrieb erhält zur Auszeichnungsfeier eine Plakette mit dem Logo „Naturpark-Partner“ sowie eine Urkunde.
Text/ Fotos: Gundi Woll
JN/ 24.9.2025




