Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord

Alle reden übers Bienensterben – der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord und der Landesverband Badischer Imker tun etwas dagegen! Es geht bei weitem nicht nur um die Honigbienen der Imker, sondern auch um alle Wildbienen und anderen Wildinsekten, die für die Bestäubung der Pflanzen und damit für uns alle lebenswichtig sind. Im Projekt „Blühender Naturpark“ stellen Städte und Kommunen brachliegende Flächen zur Verfügung, damit darauf vielfältige heimische Wildblumen wachsen können. Ab sofort könnt Ihr Wildblumenpaten werden und zur natürlichen Vielfalt von Pflanzen und Insekten im Naturpark beitragen!

Den Wildbienen hilft keiner

„Bienensterben“ ist schon längst zu einem Schlagwort geworden. Doch es steckt mehr dahinter als die Gefährdungen für die Honigbiene. „Imker können ihren Bienen helfen“, sagte Manfred Kraft, Obmann für Bienenweide beim Landesverband Badischer Imker, auf dem Fachkongress „Forum Bienenweide“ am 4. Februar 2017 in Bühlertal. „Aber den wilden Insekten hilft keiner.“ Und die sind mindestens genauso wichtig für die Bestäubung aller Pflanzen wie die Honigbienen. „Wir wollen allen helfen“, so Kraft.

Artenvielfalt in Gefahr

Durch intensive Landwirtschaft, Monokulturen oder häufig gemähte Rasenflächen der Gemeinden ist die Artenvielfalt bei den Wildblumen stark zurückgegangen, somit auch die Vielfalt der wilden Insekten wie Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen, Falter oder Schmetterlinge und am Ende auch die Zahl der Feldvögel. „Es gibt 564 Arten von Bienen in Deutschland“, erklärte Kraft, „die Honigbiene ist nur eine davon. Alles andere sind Wildbienen, darunter 32 Hummelarten.“ Und er nannte noch weitere Zahlen: „Mehr als 50 Prozent stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Und 147 Arten ernähren sich von einer einzigen Blütenart. Schon deshalb ist die Artenvielfalt auch bei den Wildblumen wichtig. Bienen brauchen eine gesunde, durchmischte Natur, dann sind sie selbst gesund.“

Dichteres Netz von Wildblumenwiesen

Deshalb hat der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord gemeinsam mit dem Landesverband Badischer Imker im Jahr 2016 das Projekt „Blühender Naturpark“ ins Leben gerufen. Die wenigsten Insekten fliegen so weit wie die Honigbiene, darum ist ein möglichst dichtes Netz von Wildblumenwiesen im Schwarzwald das Ziel.

Das Gemeinschaftsprojekt versucht, Städte, Gemeinden und Unternehmen dazu zu gewinnen, Flächen für die Einsaat von heimischen Wildblumen bereitzustellen. Im vergangenen Jahr nahmen bereits sieben Städte und Gemeinden an dem Projekt teil, 2017 werden es voraussichtlich weitere 20 Partner sein. Allein der Landkreis Calw hat zugesagt, 22 Flächen zur Verfügung zu stellen. „Wir wollen einen Beitrag leisten, um die Bedingungen für die Insektenvielfalt zu verbessern“, sagte Jürgen Bäuerle, Vorsitzender des Naturparks und Landrat von Rastatt. „Wir organisieren, verbinden die Partner und informieren die Öffentlichkeit.“

Bürger und Unternehmen können Blumenpaten werden

„Wir wollen das Projekt Blühender Naturpark breiter aufstellen“, sagte Karl-Heinz Dunker, Geschäftsführer des Naturparks. Ganz neu ist deshalb das gemeinsam mit der Agentur GRUPPE DREI entwickelte Partnerkonzept des Naturparks, das deren stellvertretende Geschäftsführerin Carolin Doderer auf dem Forum Bienenweide vorstellte. „Das Bewusstsein für Natur hat zugenommen und trifft den Zeitgeist“, sagte sie. Nun können nicht nur Städte und Gemeinden „Blumenpaten“ werden, sondern auch jede Privatperson. Familien, Schulen, Kindergärten und Unternehmen können ebenso mitmachen. Wer einen jährlichen Beitrag zahlt, bekommt ein „Starterpaket“ mit Urkunde, Blumensamen, Infomaterial und Honiggläschen. Für Unternehmen, die es ernst meinen mit Nachhaltigkeit und Naturschutz, gibt es außerdem Werbematerial für ihre Außendarstellung. „Alle Beiträge gehen zu 100 Prozent in das Projekt Blühender Naturpark“, versicherte Dunker.

Auf dem Forum Bienenweide gingen der Bühlertaler Bürgermeister Hans-Peter Braun, der CDU-Landtagsabgeordnete Tobias Wald und Landrat Jürgen Bäuerle mit gutem Beispiel voran: Sie unterzeichneten als erste die Beitrittserklärung und übernahmen damit eine Blumenpatenschaft.
Hier findet ihr mehr Informationen und die Beitrittserklärung.

Spezialist für Wildblumensaat

Als Partner haben Naturpark und Imkerverband den Saatguthersteller und -experten Ernst Rieger aus Blaufelden im Hohenlohe gewonnen. Sein Unternehmen Rieger-Hofmann GmbH baut bundesweit an 60 Standorten auf 500 Hektar über 200 Arten von Wildblumen an und versorgt auch die Partner des Blühenden Naturparks mit den passenden Saatmischungen. Denn die müssen individuell auf Klima und Böden an den jeweiligen Standort angepasst sein, wo sie am besten gedeihen. Deshalb bietet Rieger allein 80 Standard-Saatmischungen an. „Bienen und wilde Insekten brauchen eine ausgewogene Ernährung, genau wie wir“, sagte der Saatgutexperte. „Wir können uns auch nicht nur von Schwarzwälder Kirschtorte ernähren.“

Ideal: Wiesen wie vor 100 Jahren

Rieger machte klar, dass die im Handel üblichen Blumenwiesen-Mischungen Zuchtformen aus aller Welt seien. „Die sind schön bunt, nützen aber unseren spezialisierten Insekten gar nichts. Und sie verdrängen die hiesigen Wildblumen.“ Es gehe darum, wieder nachhaltige Wiesen mit heimischen Pflanzen wie vor 100 Jahren zu schaffen sowie artenreiche und standortspezifische Mischungen einzusetzen. Beim Säen sei es wichtig, nicht weniger, aber auch nicht mehr als drei bis fünf Gramm Samen – das seien rund 1000 Körner! – pro Quadratmeter auszubringen. „Sonst gibt es einen Konkurrenzkampf unter den Pflanzen, bei dem sich die stärkeren durchsetzen. Viele Insekten brauchen aber auch die schwächeren.“

Vielfalt kontra Monokultur

Was sowohl Kraft als auch Rieger mehrfach betonten: Wichtig ist es, die Blumen wachsen zu lassen und nicht zu oft zu mähen. Es geht darum, dass es von März bis September immer neue Blüten mit Pollen und Nektar als Nahrung geben muss, dass die befruchteten Blumen und Gräser auch die Zeit haben, Samen zu produzieren und dass viele Insekten die Stängel zur Eiablage und Larvenentwicklung brauchen. „Es muss durch-blühen“, sagte Rieger. „Und im Herbst sollten die Stängel stehen bleiben. Denn hier überwintern 20 Prozent der Insekten.“ Kraft erläuterte an einem Beispiel, was fehlende Vielfalt auslösen kann: „Wenn ein Bienenvolk an einem großen Rapsfeld lebt, dann erhält die Königin von ihren Bienen die Meldung, dass es reichlich Nahrung gibt und mobilisiert mit aller Kraft ihre Eiablage. Nach acht Tagen ist der Raps verblüht und die Larven verhungern.“

Bewusstsein von klein auf wecken

Die Bürger mitzunehmen ist eines der selbstverständlichen Ziele der Projektpartner. Das beginnt bereits im Kindergarten und in der Vorschule mit Naturpädagogik. „Man kann schon mit den Ein- bis Dreijährigen anfangen“, berichtete Maria Künstle vom Kindergarten St. Josef in Oberwolfach, „und ihnen zeigen, dass man die Blumen nicht einfach abreißen, sondern auch pflegen, bestaunen und behutsam behandeln soll.“ Der Kindergarten erhielt eine „Projektfläche“ neben einem Supermarkt, den der örtliche Bauhof vorbereitete. Die Kleinen säten nach einer Einführung vom Naturpark ab Mai 2016 Blumen ein und walzten die Fläche fest. Geduld ist gefragt, denn nicht alle Blumen blühen schon im ersten Jahr. „Wir sind ein kleines Dorf, jeder kennt jeden. Die Kinder haben die Bauhofmitarbeiter selbst immer wieder zum Gießen aufgefordert“, erzählte Künstle. „Die blühende Wiese ist ein fester Bestandteil in unserem Wochenplan. Das Projekt muss nachhaltig sein, sonst bringt es nichts.“

Es wird bunter

Freuen wir uns darauf, dass es im Naturpark Schwarzwald-Mitte Nord künftig immer mehr vielfarbig blühende Flächen gibt. „Eine ökologische und optische Aufwertung zugleich“, nennt es der Naturparkvorsitzende Bäuerle. Erfahrungen mit dem Projekt hat schon seit 2013 der Naturpark Südschwarzwald gemacht, mit dem man eng zusammenarbeitet. „Inzwischen nehmen 60 Gemeinden, rund die Hälfte unserer Kommunen, teil“, berichtete dessen stellvertretender Geschäftsführer Holger Wegener. Da die Wiesenflächen anfangs oft nicht so attraktiv aussehen, stellt der Naturpark Infotafeln auf mit originellen Überschriften wie „Bienenweide“, „Falterfutter“ oder „Hummeltummelplatz“.

Beide Naturparks informieren mit Wanderausstellungen über das Projekt Blühender Naturpark, die für jeweils eine bis zwei Wochen bei den teilnehmenden Gemeinden zu sehen sind.

Von der Blumenwiese in die Gourmet-Küche

Für die rund 120 Besucher des Forums Bienenweide gab es nicht nur etwas für Ohr und Auge, sondern auch für den Gaumen. Der Naturpark-Wirt Andreas Schäuble vom Hotel Restaurant Bergfriedel in Bühlertal servierte feine Leckerbissen, die zum Thema passten. Doch seht selbst:

(Fotos: Manfred Kraft/Landesverband Badischer Imker, Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, Stefan Dangel)