Prädikat als Wertschätzung für den Erhalt der Kulturlandschaft / Landwirtschaftsminister Peter Hauk informiert sich auf dem Hofgut über Agroforst-Systeme

Der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord hat das Hofgut Silva in Oberkirch sowie die zugehörige Metzgerei in Gengenbach (Ortenaukreis) im Rahmen der Sommertour des Ministers für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, Peter Hauk, am Montag (4. August) jeweils als „Naturpark-Partner“ ausgezeichnet. Damit gehören 20 Naturpark-Partner dem Netzwerk an. Im Ortenaukreis sind es sieben. Das Prädikat Naturpark-Partner steht für gelebte Regionalität und eine nachhaltige Wirtschaftsweise.
Warum der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord dem Hofgut Silva das Prädikat „Naturpark-Partner“ verleiht, erläutert der Vorsitzende des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord und Landrat des Landkreises Rastatt, Prof. Dr. Christian Dusch, bei der Auszeichnungsfeier. „Der landwirtschaftliche Familienbetrieb verbindet naturnahe und tiergerechte Landwirtschaft erfolgreich miteinander“, begründet Prof. Dr. Dusch und übergibt gemeinsam mit Landwirtschaftsminister Peter Hauk die Naturpark-Partner-Plakette an die Inhaberin des Hofes, Judith Wohlfarth. „Diese Auszeichnung ist für uns eine große Ehre und zugleich eine Bestätigung unseres besonderen Wegs: Landwirtschaft im Einklang mit Natur, Tier und Mensch. Als Naturpark-Partner möchten wir zeigen, dass Tierwohl, Regionalität und Nachhaltigkeit essenziell für die Zukunft unserer Kulturlandschaft sind“, sagt Wohlfarth.















Landwirtschaftsminister lobt ganzheitliche Wertschöpfung
Bei der Hofführung im Vorfeld der Auszeichnung hebt Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk, MdL, hervor: „Der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord wirkt innovativ und bringt neue Landwirtschaftsformen wie beispielsweise die Agroforst-Bewirtschaftung voran. Mit Blick auf Tierhaltung, Tierwohl und einer ganzheitlichen Wertschöpfung geht nun auch das Hofgut Silva gemeinsam mit dem Naturpark weitere wichtige Schritte – insbesondere mit Blick auf Tierhaltung, Tierwohl und einer ganzheitlichen Wertschöpfung. Der Naturpark und seine Partner sind regionale Impulsgeber, die es in der heutigen Zeit einfach braucht!“
Mit Blick auf die Bedeutung für den Ortenaukreis führt der Erste Landesbeamte Dr. Nikolas Stoermer aus: „Mit ihrer Arbeit und dem leidenschaftlichen Einsatz leistet Judith Wohlfarth einen wertvollen Beitrag zum Erhalt unserer Kulturlandschaft. Deswegen wird sie zurecht als Naturpark-Partner ausgezeichnet.“










Regionalität: Vom Acker bis auf den Teller
Gegründet 2013 von Ursel und Judith Wohlfarth, setzt der Betrieb in Oberkirch konsequent auf extensive Freilandhaltung. Bei dieser Haltungsform werden die Tiere auf vergleichsweise großen Flächen mit geringem Arbeits-, Futter- und Technikeinsatz gehalten. Rund 120 Berkshire- und Tamworth-Schweine leben artgerecht ganzjährig draußen auf Streuobstwiesen und Waldflächen. Diese robusten Rassen sind optimal an das anspruchsvolle Gelände angepasst. Hütten schützen die Tiere bei jedem Wetter.
Das Besondere: Die Schweine wachsen nicht nur auf dem Hof auf, sie werden auch dort geschlachtet. Mit dem 2021 errichteten Schlachthaus gewährleistet Judith Wohlfarth Transparenz und Tierwohl. Das Fleisch wird unter anderem in der seit 2023 zugehörigen Metzgerei in Gengenbach verarbeitet. Dort bieten Wohlfarth und ihr Partner Axel Ehret auch weitere regionale Qualitätsprodukte an. Darüber hinaus bewirtschaftet das Hofgut zusätzliche Flächen im Kinzigtal, hält Pferde und baut derzeit eine Kuh- und Schafherde auf.
Einsatz für eine zukunftsfähige Landwirtschaft
Einen weiteren Meilenstein setzt der Betrieb als einer von 15 Pilotbetrieben in der Agroforst-Modellregion des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord. Auf einer ehemaligen Rebfläche wird ein Agroforst-System zur Förderung von Biodiversität, Bodenfruchtbarkeit und Klimaanpassung entwickelt. „Durch die Offenheit für Neues und das Zusammenspiel vielfältiger innovativer Ansätze, nimmt das Hofgut Silva eine Vorreiterrolle in der Region ein“, resümiert der Naturpark-Geschäftsführer Karl-Heinz Dunker.





Das Netzwerk an Naturpark-Partnern
Insgesamt gehören 20 Betriebe und Organisationen aus den Bereichen Landwirtschaft, Regionalverarbeitung und -vermarktung sowie Tourismus dem Netzwerk der Naturpark-Partner an.
Zum Partner-Netzwerk gehören neben dem Hofgut Silva in Oberkirch und der zugehörigen Metzgerei in Gengenbach die Weingüter Schloss Neuweier und Maier (Baden-Baden), Kopp (Sinzheim), Axel Bauer (Bühl), die Waldulmer WG (Kappelrodeck) und s‘Wilde Weingut (Sasbachwalden) sowie die Imkerei Cum Natura (Bühl), der Biolandhof Reiser (Straubenhardt), der Aspichhof (Ottersweier) und der Jungbauernhof mit Bogenparcours Schwarzwald (Mühlenbach) sowie die Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald (Bad Liebenzell), die Naturpark-Marktscheune (Berghaupten), Dolle Frieders Burewirtschaft (Sasbachwalden), die Zeller Mühle (Ottersweier), die Nationalparkregion Schwarzwald (Baiersbronn), die Geroldsauer Mühle (Baden-Baden), die Metzgerei Seeger (Kuppenheim) und der Aulachhof (Muggensturm).
Interessierte Betriebe können sich an die Naturpark-Geschäftsstelle wenden. Weitere Informationen gibt es zudem auf der Internetseite des Naturparks unter www.naturparkschwarzwald.de > Regionalvermarktung > Naturpark-Partner.
Hintergrund 1: Das Konzept hinter der Auszeichnung „Naturpark-Partner“
Das Naturpark-Partnerprogramm ist ein bundesweites Konzept des Verbands Deutscher Naturparke (VDN). Es richtet sich an Betriebe, Organisationen und Institutionen, die mit ihrer Arbeit in besonderer Weise einen Beitrag für die Region und deren nachhaltige Entwicklung leisten. Angesprochen werden Betriebe verschiedener Branchen, z. B. aus Land- und Forstwirtschaft, Verarbeitung, Handwerk, Handel, Bildung und vielen weiteren Bereichen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Betrieben, die mit ihrer täglichen Arbeit dazu beitragen, die Kulturlandschaft zu erhalten und sich durch einen nachhaltigen und schonenden Umgang mit Umwelt und natürlichen Ressourcen auszeichnen.
Mit der Auszeichnung zum Naturpark-Partner wird dieses Engagement für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht. Jeder Betrieb erhält zur Auszeichnungsfeier eine Plakette mit dem Logo „Naturpark-Partner“ sowie eine Urkunde.
Hintergrund 2: Das Agroforst-Projekt des Naturparks
Auf landwirtschaftlichen Flächen Sträucher und Bäume zu integrieren und sie auf diese Weise an die neuen Klimabedingungen anzupassen – darum geht es beim Agroforst-Projekt des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord. Agroforst-Strukturen tragen dazu bei, Wasser länger in den Flächen zu halten. Sowohl in Dürrephasen als auch bei Starkregen-Ereignissen. Mit seinem Agroforst-Projekt unterstützt der Naturpark 15 Pilotbetriebe dabei, auf ihre Flächen zugeschnittene Agroforst-Systeme anzulegen.
Jeder Betrieb erhält eine kostenlose, betriebsspezifische Beratung und eine Anlagenförderung von bis zu 7.000 Euro. Zudem veranstaltet der Naturpark vielfältige Weiterbildungsangebote wie Feldtage auf Modellbetrieben. Er vernetzt Wissenschaftler und Praktiker und organisiert Pflanzaktionen. Die Systeme und Ziele der Höfe sind so vielfältig, wie die Betriebe selbst: Wertholzbäume, Biomasseproduktion, Wind- und Erosionsschutz, Schatten für Weidetiere oder weitere Fruchtproduktion mit Kastanien oder Obst.
Das Projekt wird über einen Zeitraum von zwei Jahren durch die Deutsche Postcode Lotterie gefördert.
Text: Gundi Woll/ Fotos: Johannes Nickel
JN/ 06.08.2025




