Wiesen und Bäche erforschen, ein Besuch auf dem Bauernhof und Apfelsaft pressen. Das und noch vieles mehr haben die Kinder der Dr.-Josef-Schofer-Schule in Bühlertal (Landkreis Rastatt) erlebt. Mit ihren zahlreichen Projekten und Partnern aus der Region hat die Schule damit die Voraussetzungen erfüllt, um erneut die Auszeichnung zur „Naturpark-Schule“ zu erhalten. Das Prädikat „Naturpark-Schule“ wird jeweils für eine Dauer von fünf Jahren vergeben. Die Dr.-Josef-Schofer-Schule wurde erstmals 2018 offiziell zur Naturpark-Schule zertifiziert.
Am 4. Juli überreichte der Geschäftsführer des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord, Karl-Heinz Dunker, die offizielle Urkunde zur Re-Zertifizierung an die Leiterin der Grundschule, Evi Böhmer. „Wir sind begeistert, Naturpark-Schule zu sein“, sagt Böhmer. „Als Naturpark-Schule profitieren wir von dem großen Kooperationsnetzwerk und der Fachkompetenz des Naturparks.“ Auch der Gemeinderat stehe voll hinter dem nachhaltigen Bildungskonzept, berichtet der Bürgermeister der Gemeinde Bühlertal, Hans-Peter Braun bei der Re-Zertifizierungsfeier. Die Natur- und Kulturthemen unserer Heimat werden den Kindern durch einen tollen Unterricht nahegebracht. Das ist eine gute Investition“, sagt Braun.


„Durch die Fachleute aus der Region und die Exkursionen ist es ein praxisnaher Unterricht, der im Gedächtnis bleibt und Identifikation schafft“, erklärt Dunker. Genau so beschreibt das auch Susan Adam, Lehrerin an der Dr.-Josef-Schofer-Schule: „Als wir gemeinsam Apfelsaft gepresst haben, waren die Kinder danach total verklebt. Aber sie waren glücklich. Das ist Natur erleben.“
Im Landkreis Rastatt gibt es aktuell acht Naturpark-Schulen. Im gesamten Naturpark-Gebiet gibt es derzeit 20 Naturpark-Schulen. Fünf weitere kommen in diesem Jahr hinzu – darunter die Grundschule Unzhurst im Landkreis Rastatt.







Die Naturpark-Projekte der Dr.-Josef-Schofer-Schule
In diesem Schuljahr ging es um die Themen Apfel und Streuobst, Lebensraum Wiese und Bach, Leben auf dem Bauernhof, Trinkwasserversorgung in Bühlertal und Wasserkreislauf, gesunde Ernährung und Wildkräuter, Nutztiere sowie Bienen. Bei der Re-Zertifizierungsfeier stellten die Schüler/innen ihre Projekte in Liedern und Theaterstücken vor. Sie zeigten ein kleines Experiment und schleuderten für die Gäste Honig.
Mit Hans-Jörg Hils vom Obst- und Gartenbauverein erkundeten die Erstklässler/innen Streuobstwiesen. Dabei erfuhren sie, wie eine Streuobstwiese angelegt und gepflegt wird und warum sie für die Biodiversität wichtig ist. Mit Franz Tilgner von Buntspechte e. V. pressten sie Apfelsaft und lernten, wozu Trester weiterverwendet werden kann. Wie Nutztiere die Landschaft pflegen, Mutterkühe gehalten werden, Fleisch produziert und Futtermittel hergestellt wird, erfuhren die Kinder von Familie Krauß/Oberle und der Nebenerwerbs-Landwirt und Bauernhof-Pädagogin Christina Schmidt.




Die Zweitklässler/innen waren mit Schwarzwald-Guide Petra Jung auf Forschertour in der Wiese unterwegs. Ausgerüstet mit den Naturpark-Entdeckerwesten beobachteten sie Insekten. Mit der Wildkräuterpädagogin Annette Vandersee sammelten sie Wiesenkräuter und bereiteten mit diesen ein leckeres Vesper zu. Wie Hühner artgerecht gehalten und wie sie nachhaltig verarbeitet werden, erklärte den Schüler/innen Marianne Schäuble vom Naturpark-Wirt Bergfriedel in Bühlertal.
Die Drittklässler/innen besuchten den Aspichhof in Ottersweier. Dort lernten sie den Alltag auf einem Bauernhof kennen. Sie erfuhren, was Nutztiere fressen, welche landwirtschaftlichen Maschinen es gibt und welche Lebensmittel auf dem Inklusions-Hof hergestellt werden. Mit der Imkerei Seiert erkundeten die Kinder das Leben von Bienen.
Die Viertklässler/innen nahmen mit Michael Rübig von der Wasservereinigung die Trinkwasserversorgung von Bühlertal unter die Lupe. Sie besichtigten die Quelle und die Wasserreservoirs. Mit Schwarzwald-Guide Petra Jung erkundeten die Schüler/innen mit den Naturpark-Entdeckerwesten auch einen Bach und die Lebewesen darin. Wie Esel leben und wie sie zur Landschaftspflege beitragen, erfuhren die Schüler/innen von Nicole Keller aus Bühlertal.




Die Naturpark-Projekte in Bühlertal
Die Gemeinde Bühlertal ist Teil des Artenschutzprojekts „Blühender Naturpark“. Bei der „Ehrensache Natur“ pflegt der Naturpark in Kooperation mit dem Förderverein Engelsberg die historischen Trockenmauern. Im touristischen Bereich gibt es eine Naturpark-AugenBlick-Runde auf dem Engelsberg und Schwarzwald-Guides bieten verschiedene Thementouren an. Die Gemeinde hat mit dem Hotel-Restaurant Bergfriedel einen Naturpark-Wirt. Neben den beiden Naturpark-Schulen gibt es auch einen Naturpark-Kindergarten.
Hintergrund: Das Konzept der Naturpark-Schulen
Kennzeichnend für eine Naturpark-Schule ist eine dauerhafte und intensive Zusammenarbeit zwischen dem Naturpark und den Schulen. Das Konzept ist als Schulentwicklungsprogramm angelegt und trägt zur Profilschärfung der Schule bei. In Form „moderner Heimatkunde“ werden die Schüler/innen für die Besonderheiten ihrer lokalen und regionalen Umgebung sensibilisiert und die Themen Natur und Kultur in der Schule nachhaltig verankert.
Gemäß dem Leitbild einer Bildung für nachhaltige Entwicklung werden den Kindern dabei Gestaltungskompetenzen vermittelt. So können sie ihre Zukunft im Naturpark aktiv und eigenverantwortlich mitgestalten. Zentrales Anliegen ist es, den Schüler/innen unterschiedliche Perspektiven auf lokale Themen wie Landschaft, Land- und Forstwirtschaft, Kultur, Brauchtum und Handwerk zu geben. Expert/innen aus der Region wie etwa Förster/innen, Landwirt/innen, Imker/innen, Kräuterpädagog/innen, aus Vereinen oder Privatpersonen bringen ihre Erfahrungen und ihr Wissen in den Unterricht ein und arbeiten eng mit den Lehrkräften zusammen.
(Fotos & Text: Gundi Woll/Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord)
04.07.2023




