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Ein Alphorn im Schwarzwald

Alphornbläser Paul Boschert aus Nordrach
Ist er der bessere Schweizer? Paul Boschert hat in der Schweiz schon Alphornbläser-Wettbewerbe gewonnen.

Paul Boschert aus Nordrach liebt es ungewöhnlich: Er bringt Klänge in den Schwarzwald, die man eher aus den Schweizer Alpen kennt: Er bläst sein Alphorn bei vielen Gelegenheiten und weithin hörbar, vor allem im Mittleren Schwarzwald. Und nicht nur das: Der 81-Jährige baut die rund dreieinhalb Meter langen Instrumente selbst.

Bei Festen und besonderen Anlässen im Naturpark erscheinen Paul Boschert und seine Freunde vom Trio „Echo vom Mühlstein“ in Nordracher Tracht und faszinieren mit sonoren Klängen ihre Zuhörer. Wie zum Beispiel bei der Eröffnung der Premiumwanderroute „Auerhahnweg“ in Schramberg im Frühjahr dieses Jahres. Auf der Einweihungs-Wandertour tauchte das Trio auf der Route immer wieder wie aus dem Nichts auf und erfreute die Gäste mit der charakteristischen Musik.

Die Schweizer waren zuerst misstrauisch

Boschert spielte früher Trompete in einer Musikkapelle. „Aus beruflichen Gründen musste ich es aufstecken“, erzählt er, „aber auf Musik verzichten wollte ich nicht.  Ich habe mir ein Alphorn zugelegt, das kann ich auch alleine blasen.“ Der Nordracher nahm Unterricht in der Schweiz und trat vor gut 20 Jahren dem Nordwestschweizerischen und dem Eidgenössischen Alphornverband bei, um besser die typische Alphorn-Interpretationen zu lernen. Einfach war das nicht. „Es hat zwei Jahre gedauert, bis ich Mitglied werden durfte“, erinnert sich Boschert. „Die strengen Schweizer haben mich bis aufs Nordracher Rathaus zurückverfolgt.“ Er lacht. „Die haben sich genau informiert, was das für ein Kerl ist, der hier Alphorn spielen will.“

Internationale Erfolge in zwei Disziplinen

Doch auf Wettbewerben in dem Alpenland, für deren Teilnahme man eben Mitglied in einem heimischen Verband sein muss, überraschte er die Eidgenossen: Er war der erste Ausländer, der einen Siegerpokal über die Schweizer Grenze mitnahm. Und weitere folgten.

Mit seiner Nordracher Tracht, seinem Rauschebart und seinem Instrument ist er überall ein Blickfang. In vergangenen Jahren ist sein Bart sogar mehrfach prämiert worden: Viermal war er Weltmeister und dreimal Europameister. In Sachen Bart ist er nicht mehr aktiv, aber sein Markenzeichen ist er dennoch geblieben.

Ideal fürs Alphorn: das Nordracher Echo

Die Gruppe, mit der er spielt, nennt sich „Echo vom Mühlstein“. Der Name ist Programm. Denn der Mühlstein ist ein geschichsträchtiger Ort bei Nordrach beim historischen Höhengasthaus „Vogt vom Mühlstein“. Wann immer es möglich ist, geht er dort hinauf, sein Alphorn zu blasen. „Dort hat man ein Echo sondersgleichen!“, schwärmt der rüstige Rentner.

Er liebt nicht nur die Musik, sondern auch das Instrument. Deshalb baut er  Alphörner im Eigenbau. Das Handwerk hat er sich selbst angeeignet. „Wenn man Interesse an etwas hat, gelingt es auch“, sagt er. „Aber es ist nicht so einfach. Wichtig ist, dass es am Schluss auch stimmt und im Ton zu anderen Alphörnern passt.“ Fichtenholz ist das gebräuchliche Material. „Und zwar Kernholz von einer sehr langsam gewachsenen Fichte mit ganz engen Jahresringen“, erklärt Boschert. „Das bekommt man nicht überall.“

Hobby mit handwerklicher Perfektion

Der Bau beginnt mit Vierkanthölzern, die man der Länge nach zu zwei Halbschalen auseinandersägt. Diese werden ausgehöhlt, wieder zusammengeleimt und dann rundgeschliffen, gedrechselt und in die dünnwandige Form gebracht. Normalerweise besteht ein Alphorn aus drei Teilen, wegen des Transports. „Ich mache es vierteilig, dann bekommt man es noch leichter ins Auto“, erläutert der Musiker. Je nach Holz und Beschaffenheit wiegt es zwischen 2,5 und vier Kilogramm. Das ist nicht viel für so ein großes Instrument von dreieinhalb Metern Länge. „Das leichtere Horn ist das bessere Horn“, klärt Boschert auf.

Dass das Alphorn aus der Schweiz stammt, ist gar nicht so sicher. Wahrscheinlich hat es sich, so Boschert, aus dem Signalhorn der Hirten entwickelt. Und das gab es auch im Schwarzwald, genauso wie in Österreich und Bayern. Dieses Horn nennt man Büchel. „Ein findiger Mensch hat zwei Krümmungen hineingemacht, damit es besser zu transportieren ist“, erklärt der 81-Jährige, der „selbstverständlich“ auch Büchel selbst baut und bläst. „Damit haben die Hirten das Vieh zusammengetrieben und zusammengehalten – denn das Vieh ist musikalisch!“

(Fotos: D. Wissing, Stefan Dangel)