Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord

Sonnenstrahlen im Wald bei Baiersbronn-Schwarzenberg. Copyright Guido de Kleijn Ein Waldspaziergang ist immer eine gesunde Sache für Körper und Seele. Gesund sind auch Bestandteile der Bäume und anderer Pflanzen. Gleichzeitig gibt es vieles zu entdecken und zu erfahren im Wald. Unsere Schwarzwald-Guide Roswitha Hild aus Calw erzählt von heilsamen oder kulinarischen Eigenschaften der Waldgewächse.

Ein Waldspaziergang macht glücklich

Der Wald ist wieder viel weiter ins Bewusstsein der Menschen gerückt. Trends wie „Waldbaden“ oder „Waldatmen“ sind angesagt. Ein Waldspaziergang ist immer eine gesunde Sache für Körper und Seele. Gesund sind auch Bestandteile der Bäume und anderer Pflanzen. Gleichzeitig gibt es vieles zu entdecken und zu erfahren im Wald. Unsere Schwarzwald-Guide Roswitha Hild aus Calw erzählt von heilsamen oder kulinarischen Eigenschaften der Waldgewächse.

Der Wald ist in aller Munde. Wissenschaftliche Untersuchungen aus mehreren Ländern bestätigen positive Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit. Bei einem mehrstündigen Aufenthalt im Wald nimmt die Haut über die Atmung ätherische Öle und Terpene auf und speichert sie im Körper. Das führt zu Stressabbau, der Blutdruck sinkt, Atemprobleme nehmen ab und Schlafstörungen werden weniger. Die frische Waldluft tut gut, sie ist so staubarm wie sonst nur im Gebirge oder am Meer. Für die einen ist der Wald gesund, den anderen macht er Spaß, denn es gibt darin viel zu entdecken. Er ist immer geöffnet, ob bei Sonnenschein oder Regen, und er kostet keinen Eintritt.

Heilende Wirkung der Bäume

Einigen Bäumen sagt man eine heilende Wirkung nach. Gegen Hals- und Rachenentzündungen, Bronchitis, Husten und Grippe sollen Tees und Sirup der jungen Fichtennadeln helfen. Auch gegen die Gicht soll die Fichte hilfreich sein. Daran erinnern Sprüche wie „Guten Morgen Fichten, heilt mir meine Gichten.“ Der Spruch galt auch für die Tanne. Viele Menschen können die beiden Baumarten ohnehin nicht auseinanderhalten. Für die Unterscheidung gibt es einen weiteren Spruch: „Die Fichte sticht, die Tanne nicht.“ Auch bei den Tannenadeln lohnt sich eine Kostprobe: Einige Nadeln ab- und in der Mitte auseinanderreißen. Dann das Aroma erschnuppern, die Nadelhälften zwischen zwei Backenzähne legen und vorsichtig darauf beißen. Sie schmecken nicht nur uns besser als die Fichtennadeln – die Rehe knabbern gerne die Knospen junger Tännchen an.

Harzbalsam

An den Fichtenstämmen fallen manchmal weiße Streifen auf. Das ist Harz, das aus Verletzungen herausfließt und sie wieder verschließen soll. Aus dem Harz lässt sich ein Balsam herstellen. Er wird bei Erkältungskrankheiten auf die Brust gerieben. Außerdem ist der Balsam eine gute Zugsalbe. Sie zieht Splitter aus der Haut, befördert Eiter an die Oberfläche und hilft bei vielen Wehwehchen. Die Salbe ist ganz einfach selbst herzustellen: In einem Wasserbad zirka 25 Gramm festes Harz in 125 Millilitern Ölivenöl in einem ausgemusterten Gefäß unter Hitze verflüssigen. Das Ganze durch einen Teefilter oder eine Mullbinde in ein verschließbares, vorher ausgekochtes Glas abgießen. Das Glas auf einem Stövchen erneut erhitzen und unter Rühren mit einem Holzspatel 15 Gramm Bienenwachs zugeben. Rühren, bis die Masse homogen ist, und abkühlen lassen. Beim Abnehmen des Harzes aufpassen, dass der Baum nicht verletzt wird. Man kann auch das Harz anderer Nadelbäume verwenden.

Waldspaziergang - Baumharz
Aus dem Harz von Nadelbäumen lässt sich ein Balsam herstellen.

Zapfen-Boule

Unter den Fichten liegen derzeit viele Zapfen. Letztes Jahr war ein Mastjahr und die Bäume trugen sehr viele Zapfen. Sie sorgten damit reichlich für Nachkommen. Wie viele Samen enthält so ein Zapfen? Einfach einige Zapfen mit nach Hause nehmen und trocknen lassen. Die Schuppen öffnen sich und die Samen fallen heraus. Man kann nachhelfen, indem man mit der Spitze auf eine Fläche klopft. Dadurch werden viele weitere herausfallen. Die Fichtenzapfen eignen sich für eine Art Boule-Spiel. Der Spielleiter und die Mitspieler starten mit jeweils drei Zapfen an einer mit Stöckchen markierten Linie. Der Spielleiter wirft seine drei Zapfen und der erste Mitspieler versucht, sie mit seinen Zapfen zu treffen. Getroffene Zapfen dürfen genommen werden, nicht getroffene bleiben liegen. Bevor der zweite Mitspieler sein Glück versucht, ergänzt der Spielleiter wieder auf mindestens drei Stück. Die Eroberungen werden nach jeder Runde gezählt.

Zapfenvielfalt

Welche Zapfen sind außerdem im Wald zu finden? Häufig liegen Kiefern-, Lärchen- und Douglasienzapfen auf dem Boden. Waldkiefernzapfen sind nur zirka vier Zentimeter lang, die von Schwarzkiefern erreichen bis zu neun Zentimeter. Lärchenzapfen sind kleiner und eiförmig und sitzen oft noch auf den heruntergefallenen Ästen. Douglasienzapfen erkennt man an den herausragenden dreispitzigen Deckschuppen. Im Schwarzwald gibt es viele Tannen. Aber wo sind die Tannenzapfen? Die liegen nie als vollständige Zapfen auf dem Boden, sondern die Schuppen und die Samen fallen einzeln herab. Die vollständigen Zapfen entdeckt man nur manchmal an gefällten Bäumen.

Waldspaziergang Zapfen und Nadeln
Diverse Zapfen und Nadeln.

Was man noch auf einem Waldspaziergang entdecken kann

In unseren Wäldern gibt es Misteln und Hexenbesen auf den Tannen zu entdecken. Die kugelförmigen Misteln fallen durch das hellere Grün auf. Sie tragen weiße Beeren, die die Vögel gerne fressen. Weil sie sehr klebrig sind, wetzen die Vögel ihre Schnäbel am Ast und verteilen so Samen. Die Samen können aber auch über den Kot an der Rinde kleben bleiben. Die Misteln können recht groß und bis zu 70 Jahre alt werden. Die grünen Misteln betreiben Photosynthese, aber sie entziehen ihrem Wirt Wasser und Salze. Deshalb sind sie Halbschmarotzer. Sie wachsen außerdem auf Obst- und verschiedenen anderen Laubbäumen. Man kann sie auch im eigenen Garten „anbauen“. Dazu in der Adventszeit die Beeren sammeln, ausdrücken und den Brei am Ast des Wirtsbaums verteilen. Dann heißt es abwarten…

Waldspaziergang - Mistel
Misteln sind Halbschmarotzer und wachsen auf Bäumen.

Hexenbesen und Sauerklee

Hexenbesen sind kein Transportmittel für Zauberinnen. Sie wachsen ebenfalls auf Tannenästen und werden zuweilen Donnerbüsche genannt. Ein Rostpilz veursacht eine sehr starke Triebbildung am Baum – Hexenbesen sind also keine eigenständigen Pflanzen, sondern Auswüchse der Tanne. Mit einem geschulten Auge sind sie einfach zu erkennen und es ist erstaunlich, wie oft und in welchen Größen sie vorkommen. Im Frühjahr fallen Sie zunächst durch abstehende braune Äste, später durch die hellgrünen Nadeln auf. Manchmal liegen herabgestürzte, richtig schwere Exemplare am Weg. Lockere Besen können als Nistangebot an der Haus- oder Garagenwand befestigt werden.

Zwischendurch lohnt sich auch ein Blick auf den Waldboden. Dort wächst eine essbare, oxalsäurehaltige Pflanze: der weiß blühende Waldsauerklee – auch Kuckucks- oder Glücksklee genannt. Er ähnelt de Wiesenklee, doch beide Arten sind nicht miteinander verwandt. Jetzt im Frühsommer sind die Blätter noch zart und weich. Sie schmecken im Wald, aber auch im Blattsalat oder in der Kartoffelsuppe.

Wie gesund der Wald ist, hat der schwäbische Förster Helmut Dagenbach wunderschön in ein Gedicht gefasst:

Doktor Wald

„Wenn ich an Kopfweh leide und Neurosen,
mich unverstanden fühle oder alt
und mich die holden Musen nicht liebkosen,
dann konsultiere ich den Doktor Wald.
Er ist mein Augenarzt und Psychiater,
mein Orthopäde und mein Internist.
Er hilft mir sicher über jeden Kater,
ob er von Kummer oder Cognac ist.
Er hält nicht viel von Pülverchen und Pille,
doch umso mehr von Luft und Sonnenschein.
Und kaum umfängt mich angenehme Stille,
raunt er mir zu: „Nun atme mal tief ein!“
Ist seine Praxis oft auch überlaufen,
in seiner Obhut läuft man sich gesund.
Und Kreislaufkranke, die noch heute schnaufen,
sind morgen ohne klinischen Befund.
Er bringt uns immer wieder auf die Beine,
das Seelische ins Gleichgewicht,
verhindert Fettansatz und Gallensteine,
nur – Hausbesuche macht er leider nicht.“

(Text: Roswitha Hild; Fotos: Roswitha Hild, pixabay; Titelbild: Guido de Kleijn)

13.6.2020

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