Natur & Landschaft Flora & Fauna

Schmetterling 2018: Großer Fuchs in Gefahr

Naturpark Schwarzwald Blog, Aktion Viotop 2017, Schmetterling des Jahres 2018: Grosser Fuchs, Bild: R. Manderbach / www.deutschlands-natur.de
Der großer Fuchs ist zum Schmetterling 2018 gewählt worden - auch er braucht mehr Vielfalt zum Überleben

Er ist groß und bunt und flatterhaft. Und er wurde zum Schmetterling des Jahres 2018 gekürt: Der Große Fuchs (Nymphalis polychloros) ist trotz der großen Sympathie, die wir Menschen für die hübschen Insekten haben, in Gefahr. So wie alle anderen Insekten auch sind Schmetterlinge angewiesen auf eine große Vielfalt in unserer Natur. Und daran hapert es in ganz Deutschland – auch im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord. Durch die Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft und den Flächenverbrauch für Siedlungsbau und Verkehr rauben wir den Schmetterlingen den Lebensraum.

Tatsächlich sind nur ein Drittel der Tag- und die Hälfte der Nachtfalterarten in Deutschland noch ungefährdet!

Dabei braucht der große Fuchs wie viele andere Schmetterlinge auch einfach nur trockenwarme, halboffene Landschaften, sonnige Waldränder, Streuobstwiesen und naturnahe Gärten zum Überleben. Klingt nicht nach besonders viel, aber wenn man sich mal genauer umschaut, sind solche „wilden“, naturbelassenen Fleckchen nur noch selten zu finden.

Das fängt schon im eigenen Garten an. Mit hübsch gemähten Rasenflächen, von „Unkraut“ vollkommen freigezupften Rabatten und Thujahecken kann kein Insekt viel anfangen. Und wer hat am Ende das Nachsehen bei so viel penibler Landschaftspflege? Tatsächlich der Mensch. Denn wir sind auf Insekten angewiesen. Insekten sind Nahrungsquelle für größere Tiere; sie zersetzen abgestorbene Pflanzen und tote Tiere zu Humus; Bienen und viele weitere Insekten sind fleißig am Bestäuben für gute Ernten…

Also: Helft mit die Vielfalt zu bewahren und werdet zum Retter für den Großen Fuchs und seine zahllosen Insektenfreunde!

Denn ein bisschen (Über-)Lebensraum kann ihm jeder von euch zurückgeben: Das Projekt „Blühender Naturpark“ des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord bietet dafür gute Ideen. Ihr könnt Blumenwiesenpaten werden. Oder mit den Saatenmischungen bei euch im eigenen Garten anfangen und kleine Flächen Wildnis bewusst entstehen lassen – oder bereits existierende „Unkrautecken“ einfach mal stehen lassen. Und: Ihr könnt das Projekt zum Viotop 2017 voten, um weitere Gelder für den Schutz der Insekten zu gewinnen – und gewinnen könnt auch ihr selbst dabei, denn unter allen Stimmen werden tolle Preise verlost!

Großer Fuchs: Schmetterling des Jahres 2018

Mit 50 bis 55 Millimetern Flügelspannweite ist der Große Fuchs ein recht großer Schmetterling. Die Weibchen legen im April und Mai ihre Eier in den Kronen von Salweiden, Pappeln oder Obstbäumen ab, rund um dünne Zweige. Diese Bäume sind die Futterpflanzen der Raupen. Die Raupen leben gesellig in einem Netz aus Spinnfäden. Die Verpuppung findet im Frühsommer statt. Die Puppen sind etwa 45 Millimeter lang, schwarzgrau und tragen mehrere Reihen orange gefärbter verästelter Dornen.

Zwei bis drei Wochen später schlüpfen die Schmetterlinge. Die Flügeloberseiten sind orange und tragen schwarze und gelblichweiße Flecken und am Hinterflügelrand eine schwarze Binde mit bläulichen Flecken. Der Große Fuchs sieht dem viel häufigeren Kleinen Fuchs zwar sehr ähnlich, ist aber nicht nahe mit ihm verwandt.

Der Große Fuchs ist im Herbst nur selten zu beobachten – er zieht sich schon früh in sein Überwinterungsquartier zurück. Denn während die meisten der 180 in Deutschland lebenden Tagfalter die kalte Jahreszeit als Raupen verbringen, überwintert der Große Fuchs als ausgewachsener Schmetterling! Die erste Futterquelle nach der Winterstarre sind übrigens blühende Weidenkätzchen.

Zur Winterzeit: Schmetterlingen in der Wohnung helfen

Es kann passieren, dass sich überwinternde Schmetterlinge wie Großer Fuchs im Winter in eure Wohnung verirren: Vor allem Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs fliegen im Herbst auch in Wohngebäude, um ein kühles Plätzchen für die Überwinterung zu suchen. Steigt die Umgebungstemperatur dann aber etwa über 12 Grad, weil wir die Heizungen aufdrehen, erwachen die Falter aus ihrer Winterstarre und fliegen umher. Bleiben sie im Warmen, gehen sie in Kürze ein, da sie ja kein Futter finden können. Lasst ihr sie aber nach draußen flattern, drohen sie zu erfrieren.

Was also tun? Der BUND weiß Rat:

Verfrachtet den Schmetterling vorsichtig in eine kleine Pappschachtel. Die Schachtel muss oben eine kleine Öffnung haben, aus der der Falter im Frühling herauskriechen kann. Diese Schachtel bringt ihr an einen geschützten, kalten Ort, zum Beispiel eine unbeheizte, kalte Garage, ein Gartenhaus oder den Geräteschuppen. Die Öffnung muss aber zunächst noch verschlossen bleiben, so lange der Schmetterling noch warm und aktiv ist!

Wenn sich die Temperatur in der Schachtel abgekühlt hat, müsst ihr die Öffnung freimachen, damit der Falter im  Frühling ins Freie fliegen kann. Auch die Garage oder das Gartenhaus müssen die Möglichkeit bieten, dass der Falter ins Freie kommt. Bei strengem Frost könnt ihr die Schachtel für einige Tage auch in den kalten Keller bringen.

Und noch ein Tipp, wenn ihr euren Garten im nächsten Jahr schon schmetterlingsfreundlicher gestalten wollt:

Das Bundesamt für Naturschutz bietet mit der Suchseite FloraWeb einen besonderen Service. Hier könnt ihr detaillierte Informationen über Fraßpflanzen und Nektarpflanzen für Schmetterlinge abrufen! Schaut mal rein. Großer Fuchs und seine Freunde werden es euch im Sommer mit farbenfrohen Lufttänzen danken! 🙂

Bilder: R. Manderbach/www.deutschlands-natur.de, Erwin Rennwald, Walter Schön