Erste Naturpark-Schule im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord feiert zehnjähriges Bestehen / Projekte zu Natur und Kultur der Region mit lokalen Partnern.



Gemüse anpflanzen, Apfelsaft pressen und Honig schleudern. Das und vieles mehr haben die Kinder der Grundschule Hilpertsau in Gernsbach (Landkreis Rastatt) gemacht. Dabei haben sie die Lebenswelten unterschiedlicher Tier- und Pflanzenarten kennengelernt. Seit zehn Jahren kooperiert die Grundschule im Rahmen ihrer Naturpark-Projekte mit Partnern aus der Region. Damit erfüllt die Schule die Voraussetzungen für die abermalige Verlängerung des Prädikats „Naturpark-Schule“. Insgesamt gehören rund 25 Schulen dem Netzwerk der Naturpark-Schulen im nördlichen und mittleren Schwarzwald an. Im Landkreis Rastatt sind es zehn Naturpark-Schulen.
Erste Naturpark Schule im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord
Die Grundschule Hilpertsau war 2015 die erste Schule im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, die das Prädikat „Naturpark-Schule erhielt. Alle fünf Jahre werden die Projekte der Naturpark-Schulen auf die vorgegebenen Kriterien des Verbands Deutscher Naturparke (VDN) hin überprüft. Am Montag (1. Dezember) hat die Projektmanagerin des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord, Manuela Riedling, die offizielle Urkunde zur Fortführung des Konzepts der Naturpark-Schule an die Schulleiterin der Grundschule Hilpertsau, Susanne Drekopf, überreicht.

„Die Kinder erleben, wie vielfältig unsere Kulturlandschaft ist. Verstehen Kreisläufe in der Natur und entdecken, wie wichtig nachhaltiges Handeln im heimatlichen Umfeld auch Wirkung im globalen Kontext entfaltet – und all das gemeinsam mit Fachleuten aus der Region“, erläutert Riedling bei der Feier. „Ihr steckt viel Herzblut in die Projekte. Viele von euch sind von Beginn an dabei gewesen. Es ist schön zu sehen, wie ihr die Naturpark-Projekte lebt, die Kinder mit euerm Wissen begeistert und die Module weiterentwickelt!“, sagt Riedling an das Kollegium und die Kooperationspartner gewandt.
Emotionale Erlebnisse ermöglichen nachhaltiges Lernen
Exkursionen in die Natur und die enge Zusammenarbeit mit den zahlreichen Kooperationspartnern der Naturpark-Schule bilden eine gute Ergänzung zum normalen Schulalltag, berichten die Kinder bei der Auszeichnungsfeier. Besonders gefällt ihnen dabei: „…dass wir so oft in den Wald gehen“, sagt ein Junge. Und eine Mitschülerin berichtet: „Durch die Naturpark-Projekte ist der Zusammenhalt untereinander richtig stark geworden.“ Einen kleinen Einblick in ihre Naturpark-Projekte und was sie dabei gelernt haben, geben die Kinder mit tollem Fakten-Wissen rund um Wälder, Bäume, Kräuter und den Luchs. Das Gelernte präsentieren sie den Gästen anhand von selbst gebastelten Plakaten, in Form von Gedichten, Liedern und Rätseln.


Über 100 Naturpark-Projekte mit über 1.000 Schülerinnen und Schülern hat die Grundschule Hilpertsau in den vergangen zehn Jahren absolviert. „Besonders wichtig sind dabei emotionale Erlebnisse und Erfahrungen, die unsere Schülerinnen und Schüler in dieser Zeit machen konnten. Erlebnisse, die heutzutage abseits digitaler Welten, nicht mehr alltäglich sind! Emotionales Lernen ermöglicht nachhaltiges Lernen“, erläutert die Schulleiterin Susanne Drekopf.
Rausgehen, zuschauen und selbst mitanpacken: Das zeichnet das Konzept einer Naturpark-Schule aus. „Es ist etwas ganz Besonderes Schülerin oder Schüler in einer Naturpark-Schule zu sein! Durch eure Naturpark-Projekte habt ihr selbst erfahren, wie wichtig es ist, die Natur in unserer schönen Heimat zu schützen“, sagt der Bürgermeister der Stadt Gernsbach, Julian Christ.
Die Naturpark-Projekte der Grundschule Hilpertsau in Gernsbach
Beim Naturpark-Projekt zum Wald erkundeten die Kinder den Lebensraum Wald auf spielerische Weise mit der zertifizierten Wildkräuter- und Heilpflanzen-Pädagogin Frauke Grötz und Katrin Dürr vom Forstamt Rastatt. Die Naturpark-Projektmanagerin Manuela Riedling erforschte mit den Kindern die heimischen Wiesen bei einer lebendigen Entdeckungsreise zu Pflanzen und Insekten. Die Welt der heimischen Kräuter und ihrer Verwendung in der Küche vertieften Frauke Grötz und die Diplom-Biologin Gabriele Engler-Dietrich.
Ein weiterer Fokus lag bei den Naturpark-Projekten auf dem gärtnerischen Arbeiten. Lehrerin Janina von Ostrowski führte die Schülerinnen und Schüler im Naturpark-Projekt „Aussaat und Ernte im Hochbeet“ an die Grundlagen des Gemüseanbaus heran: von der Aussaat über die Pflege bis zur Verarbeitung.

Besonders faszinierend für die Kinder sind tierische Themen: Tatjana und Peter Seyfried gaben in ihrer Imkerei Einblicke in das Leben, die Bedeutung und die Gefährdung von Honig- und Wildbienen. Bei ihrem Besuch durften die Kinder selbst Honig herstellen. Beim Infozentrum Kaltenbronn und vom ehemaligen Wildtierbeauftragten des Landkreises Rastatt, Martin Hauser, lernten sie den Lebensraum des Luchses kennen. Mit Stefan Eisenbarth vom NABU Baden-Württemberg und Naturpark-Projektmanagerin Manuela Riedling erfuhren die Kinder in der Fledermaus-Ausstellung in Forbach-Gausbach alles rund um das nachtaktive Tier.
Auch traditionelle Verarbeitungstechniken fanden ihren Platz im Naturpark-Angebot. Mit Udo Janetzki vom Obst- und Gartenbauverein Hilpertsau sammelten die Kinder in Reichental Äpfel auf einer Streuobstwiese. Anschließend ging es in die Kelter, wo die Kinder ihren eigenen Apfelsaft pressten. Bei Familie Seyfried ging es um den Weg vom Getreide bis zum fertigen Laib, den die Kinder selbst backen durften.
Hintergrund: Das Konzept der Naturpark-Schulen
Kennzeichnend für eine Naturpark-Schule ist eine dauerhafte und intensive Zusammenarbeit zwischen dem Naturpark und den Schulen. Das Konzept ist als Schul-Entwicklungsprogramm angelegt und trägt zur Profilschärfung der Schule bei. In Form moderner Heimatkunde werden die Schülerinnen und Schüler für die Besonderheiten ihrer lokalen und regionalen Umgebung sensibilisiert. Die Themen Natur und Kultur werden in der Schule nachhaltig verankert.
Gemäß dem Leitbild einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) werden den Kindern und Jugendlichen dabei Gestaltungskompetenzen vermittelt. In Form „moderner Heimatkunde“ sensibilisieren die Naturpark-Projekte die Kinder und Jugendlichen für die Besonderheiten der lokalen und regionalen Natur und Kultur.
Fachleute aus Land- und Forstwirtschaft, Kultur, Brauchtum und Handwerk bringen ihre Erfahrungen und ihr Wissen in den Unterricht ein und arbeiten eng mit den Lehrkräften zusammen. Auf diese Weise entsteht ein Lernraum über das Klassenzimmer hinaus, den die Schülerinnen und Schüler aktiv mitgestalten können.
Text/Fotos: Gundi Woll
JN/ 02.12.2025




