Ein Gastbeitrag von Schwarzwald-Guide Martin Hämmerle:
Mit einer Fläche von 420.000 ha ist der Naturpark Schwarzwald Mitte / Nord eines der größten Großschutzgebiete in Deutschland. Sein Ziel ist die Förderung einer nachhaltigen Regionalentwicklung. Getragen wird der eingetragene Verein von 112 Städten und Gemeinden, 7 Landkreisen, 3 Stadtkreisen und 16 Verbänden. Dazu kommt eine stetig wachsende Zahl an Naturparkpartnern. Geschäftsführer Karl-Heinz Dunker meint dazu: „Der Naturpark ist ein starker Netzwerker in der Region. Die Vielfalt unserer Mitglieder und Partner macht uns stark!“
25 Jahre Naturpark – zahlreiche Veranstaltungen im Jubiläumsjahr
Der Naturpark Schwarzwald Mitte / Nord wird in diesem Jahr 25 Jahre jung. Zur Feier dieses Jubiläums finden von April bis November mehr als 100 Veranstaltungen, verteilt über den gesamten Naturpark, statt. Am Samstag, 12. Juli bot eine von Schwarzwald-Guide Martin Hämmerle organisierte Wanderung Blicke hinter die Kulissen von gleich zwei Naturpark-Partnern.



Zu Besuch bei Naturpark-Partner Corthum
Die corthum Erdenwerke in Marxzell Pfaffenrot sind Hersteller und Lieferant von Rindenprodukten, Erden und Substraten für den Garten- und Landschaftsbau. Geschäftsführer Uwe Schönthaler begrüßte die Gäste und tauchte mit ihnen ein in die Philosophie des Unternehmens, das vor 40 Jahren begann aus den Abfallprodukten eines Sägewerkes wertvollen Rohstoff zu produzieren. Heute umfasst die Produktpalette mehr als 50 verschiedene Materialien für den optimalen Einsatz bei allen Herausforderungen im Garten und Landschaftsbau. Für den Hobbygärtner genauso wie für den Profi oder die Gemeinde. Dabei ist Schönthaler eines besonders wichtig: „Unsere Produkte werden aus regionalen Rohstoffen hergestellt. Dafür arbeiten wir beispielsweise mit regionalen Sägewerken zusammen. Auch die Zuschlagsstoffe für die corthum-Substrate und Rohrinde in verschiedenen Rindesorten beschaffen wir aus dem Raum Süddeutschland.“ Schönthaler zeigte an realen Beispielen, wie sich die Speicherfähigkeit des Bodens für Wasser verbessern lässt, mit welchen Ersatzstoffen wir auf den Einsatz von Torf verzichten können oder welche regionalen Rohstoffe weite Transportwege vermeiden. Viele Erkenntnisse, die jeder selbst in seinem privaten Umfeld umsetzen kann.


Nach so viel Information tat eine kleine Wanderung durch das Naturschutzgebiet Pfinzquelle nach Straubenhardt / Feldrennach gut. Besonders beeindruckend war hier der Unterschied zwischen den intensiv genutzten Mähwiesen auf der einen, und den naturbelassenen, blühenden Magerrasen auf der anderen Seite.

Hofrundgang bei Naturpark-Partner Biolandhof Reiser
Beim Biolandhof Reiser, ebenfalls Naturpark-Partner, wartete bereits das Ehepaar Horst und Elke Reiser mit einer kleinen Stärkung auf die Gruppe. Horst Reiser erklärte, dass in einer Handvoll Humus mehr Lebewesen leben als Menschen auf der Erde. Diese Erkenntnis bewegte ihn nach der Hofübernahme in den 1980er Jahren dazu, auf biologische Landwirtschaft zu setzen, aus Respekt vor diesem unersetzlichen Leben. „Ohne dieses Leben im Boden ist ein Leben auf dem Boden überhaupt nicht möglich“, so Reiser. Deshalb verzichtet er von Anfang an auf alles, was dem Leben im Boden Schaden zufügen kann. Anfangs wurde seine Herangehensweise als Spinnerei abgetan. „Der wird schon sehen was passiert, wenn erst die Disteln auf seinen Feldern wachsen“, hieß es im Kreise seiner Kollegen. Die Familie Reiser hat es trotz etlicher Rückschläge durchgezogen und heute haben sie diese Probleme im Griff.




Inzwischen hat auch aufgrund von Umwelteinflüssen ein Umdenken in der Bevölkerung stattgefunden, sodass sich biologische oder naturnahe Landwirtschaft schon lange etabliert hat. Bei einem abschließenden Hofrundgang durften sich die Gäste selbst davon überzeugen, dass es den Tieren in der Zeit, in der sie auf dem Hof leben, gut geht und an nichts fehlt.
Text/ Fotos: Martin Hämmerle
JN/ 14.07.2025




