Ehrenamtliche pflegen beim Naturpark-Projekt „Ehrensache Natur“ den Lebensraum des Auerwilds.
Sie reißen junge Fichten aus dem Waldboden, um die Mischbaumarten wie Kiefer, Eberesche und Buche zu fördern: Mit ihrem Einsatz im Stadtwald Baden-Baden haben sich Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Hohenbaden aktiv für den Lebensraum des Auerwilds eingesetzt. Ziel der Aktion: Der Charaktervogel des Schwarzwalds soll wieder mehr Nahrung finden und ausreichend Raum zum Leben haben. Die Aktion fand am Dienstag (30. September) im Rahmen des Projekts „Ehrensache Natur“ des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord am Bergsattel Rote Lache im Stadtwald statt – einem der nördlichsten Verbreitungsgebiete des Auerwilds.

Das braucht das Auerwild
Seit über zehn Jahren unterstützt das Städtische Forstamt Baden-Baden das Projekt als engagierter Partner. Über den Einsatz der Stadt freut sich auch der Verein Auerhuhn im Schwarzwald ganz besonders. Ebenso wie der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, der die jährliche Veranstaltung organisiert. „Es ist sehr schön, dass jedes Jahr Jugendliche bei der Ehrensache Natur mithelfen“, sagt die Stellvertretende Geschäftsführerin des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord, Yvonne Flesch, bei der Pflege-Aktion im Stadtwald. „Sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt einer bedrohten Tierart, die symbolhaft für den Schwarzwald steht.“
Das Auerwild ernährt sich insbesondere von Heidelbeeren. Die Sträucher benötigen viel Licht zum Wachsen. Stehen die Bäume zu dicht, erreicht kaum Sonnenlicht den Waldboden. „Mit unserer Pflege-Aktion sorgen wir für lichtere Strukturen, indem wir mehrere Meter Abstand zwischen den Bäumen schaffen. Je höher der Baum, desto mehr Raum braucht er zu den Nachbarn“, erklärt der Revierförster Lars Lingslebe vom Forstamt Baden-Baden, der die Jugendlichen bei der Aktion anleitet.
Die jungen Helferinnen und Helfer zogen kniehohe Fichtentriebe von Hand aus dem Boden. Ältere Bäume entfernten sie mit Sägen, darunter vor allem Fichten. Denn die Beeren der Eberesche, die Nadeln der Kiefer und die Triebe der Birke gehören zur Lieblingsnahrung des Auerwilds.
„Das Auerwild ist nicht nur eine faszinierende Vogelart – es ist ein Symbol für den Schwarzwald. Sein Schutz bedeutet auch, vielfältige Lebensräume zu erhalten. Davon profitieren zahlreiche andere Arten und letztlich auch wir Menschen“, erläutert Matthias Mohaupt vom Verein Auerhuhn im Schwarzwald.







Dramatischer Rückgang der Auerhähne gestoppt
Das Auerwild steht auf der Roten Liste der Brutvögel. Bedeutet: Es ist vom Aussterben bedroht. Das diesjährige Balzmonitoring gibt jedoch Anlass zur Hoffnung. Es verdeutlicht, dass die Schutzmaßnahmen zunehmend Wirkung zeigen: Im Frühjahr 2025 wurden insgesamt 103 balzende Auerhähne an Balzplätzen gezählt. Dies ist zwar ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. 2024 wurden 111 Hähne gezählt. Doch die Akteure im Auerhuhn-Schutz werten die Ergebnisse als Zeichen dafür, dass sich der dramatische Rückgang zwischen den Jahren 2012 bis 2022 nicht weiter fortsetzt.
„Klar ist aber auch, dass das Auerhuhn noch lange nicht über den Berg ist und die Auerhuhn-Besätze im Schwarzwald weiterhin gefährdet sind. Daher müssen wir weiter dranbleiben und die Maßnahmen des Auerhuhn-Aktionsplans konsequent umsetzen“, sagt der Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, anlässlich der Veröffentlichung der aktuellen Ergebnisse der Balzplatzzählungen am 23. Juli in Stuttgart.
Die Zählungen werden seit den 1980er Jahren jährlich während der Balzzeit durchgeführt. Sie gelten als wichtigste Methode zur Bestandserfassung. Bei der Zählung arbeiten die Jägerschaft, die AöR ForstBW, die Landesforstverwaltung, Privatwaldbesitzer, der Nationalpark Schwarzwald, Ornithologen, der Verein Auerhuhn im Schwarzwald sowie ehrenamtliche Personen zusammen.
Die Ehrensache Natur – Ein Naturpark-Projekt mit Ehrenamtlichen
Hüfthohe Wiesen mähen, Büsche zurückschneiden und Tümpel freilegen oder Trockenmauern von Efeuranken und Brombeersträuchern befreien – das machen die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer an den jährlich stattfindenden rund sechs Aktionstagen der „Ehrensache Natur“, einem Projekt des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord.
„Wer bei der Ehrensache Natur mitmacht, setzt sich für seine Region und Heimat ein“, sagt Yvonne Flesch, Stellvertretende Geschäftsführerin des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord. „Denn die Helferinnen und Helfer erhalten mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit die traditionell gewachsene Natur- und Kulturlandschaft im Naturpark und damit den Lebensraum für viele heimische Tier- und Pflanzenarten.“
Nächste Termine – Helferinnen und Helfer gesucht!
- 14. Oktober in Bühlertal im Landkreis Rastatt:
„Himmlische Trockenmauerpflege“ – Efeu und Brombeersträucher an den historischen Mauern am Engelsberg werden zurückgeschnitten.
Kooperationspartner: Förderverein Engelsberg und Gemeinde Bühlertal - 18. Oktober in Seelbach im Ortenaukreis:
„Ortenauer Landschaftspflegetag“
Kooperationspartner: Landschaftserhaltungsverband Ortenaukreis (LEV)
Jetzt mithelfen!
Für alle Aktionen werden noch engagierte freiwillige Helferinnen und Helfer gesucht.
Mitbringen:
- festes Schuhwerk
- wetterfeste Kleidung
Anmeldung:
- Telefon: 07223 / 957715-0
- E-Mail: info@naturparkschwarzwald.de
- Weitere Infos: www.naturparkschwarzwald.de
Text: Gundi Woll/ Fotos: Yvonne Flesch
JN/ 30.09.2025




