Naturpark-Kindergarten Auszeichnung als Zeichen der Wertschätzung für Projekte zu Natur und Kultur der Region.


Den Alltag auf einem Bauernhof erleben und selbst mitanpacken. Den Weg vom Getreide bis zum selbst gebackenen Brötchen verfolgen und aktiv gestalten. Und Müll richtig trennen. Das und vieles mehr haben die Kinder im Städtischen Kinderhaus Dornhan (Landkreis Rottweil) bei ihren Naturpark-Projekten erlebt und gelernt. Nun hat der Kindergarten die Voraussetzungen erfüllt, um die Auszeichnung „Naturpark-Kindergarten“ zu erhalten. Er ist der erste Naturpark-Kindergarten im Landkreis Rottweil. Im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord ist es der 17. Am Freitag (4. Juli) überreichte die Bereichsleiterin für Bildung & Biodiversität beim Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, Fränze Stein, die offizielle Urkunde und eine Plakette mit dem Schriftzug „Naturpark-Kindergarten“ an die Leiterin des Kindergartens, Carmen Kopp, und ihr Team.
„Das pädagogische Team des Städtischen Kinderhauses Dornhan zeigt eindrucksvoll, wie Kinder durch eigenes Tun, Forschen und Gestalten ein tiefes Verständnis für Nachhaltigkeit entwickeln – praxisnah, kreativ und mit viel Herz für Mensch und Natur“, begründet Stein die Auszeichnung. Für die Kindergarten-Leiterin Kopp steht dabei der nachhaltige und ganzheitliche Lerneffekt im Fokus: „Wenn die Kinder Mülltrennung organisieren oder Getreide säen, dann wird aus Lernen echtes Verstehen. Durch die Naturpark-Projekte erfahren sie, dass ihr Handeln zählt.“ Und der Bürgermeister der Stadt Dornhan, Markus Huber, stellt heraus: „Mit der Hans-Holzwarth-Grundschule haben wir bereits eine Naturpark-Schule. Durch den Naturpark-Kindergarten können wir unsere Kinder nun noch früher für die Besonderheiten und Schönheit unsere Natur und Kultur begeistern. So können wir ein sehr praxis- und kindorientiertes, pädagogisches Konzept vom Kindergarten bis in die vierte Klasse anbieten.“
Auszeichnung als Naturpark-Kindergarten ist Zeichen der Wertschätzung
„Die Auszeichnung ist ein Zeichen der Wertschätzung für Ihr besonderes Engagement im Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“, sagt Fränze Stein vom Naturpark bei der Auszeichnungsfeier in Dornhan an das pädagogische Team gerichtet. „Es ist Aufgabe des Naturparks und es ist uns persönlich auch ein Herzensanliegen, dass die Kinder so früh wie möglich einen positiven und engen Bezug zu ihrer Heimat entwickeln können und die Zusammenhänge in der Natur verstehen lernen.“
Nach der offiziellen Urkundenübergabe erläutert Stein dem Kindergarten-Team den Inhalt der Naturpark-Entdeckerkiste, die die Kinder geschenkt bekommen. Mit viel Begeisterung räumen sie zusammen mit Naturpark-Kindergarten-Maskottchen Urli Auerhahn die Entdeckerkiste der Naturpark-Detektive aus. Sie bestaunen Kinderbücher rund um die heimische Tier- und Pflanzenwelt sowie Entdecker-Instrumente, mit denen sie die Natur erforschen können.

Die Naturpark-Projekte des Städtischen Kinderhauses Dornhan
Beim Naturpark-Projekt „Es muht die Kuh, es grunzt das Schwein – Leben auf dem Bauernhof“ besuchten die Kinder einen Bauernhof und die Hühner von „Oma Nadja“, der Großmutter eines ehemaligen Kindergartenkindes. Dabei lernten sie Tiere und deren Lebensweise und Nutzen für den Menschen kennen. Der direkte Kontakt zu den Tieren stärkt das Verantwortungsbewusstsein der Kinder, ihre Empathiefähigkeit und das Verständnis für nachhaltiges Handeln.
Mit Unterstützung von „Oma Nadja“ pflanzten, pflegten und ernteten die Kinder bei ihrem Garten-Projekt Gemüse. Dabei lernten sie natürliche Kreisläufe, den achtsamen Umgang mit Ressourcen und die Bedeutung gesunder Ernährung kennen. „Ich will den Kindern zeigen, was alles in meinem Garten wächst und wie er sich im Jahresverlauf verändert. Dabei binde ich alle Sinne ein. Die Kinder können zum Beispiel Kräuter pflücken und daraus eine Kräuterbutter machen und probieren“, erläutert Oma Nadja. Das Gelernte wendeten die Kinder dann auch gleich im Kindergarten-eigenen Garten an. So erinnert sich Luca etwa: „Ich habe beim Umgraben eine Raupe gefunden.“
Beim Projekt „Dem Brotduft auf der Spur“ säten die Kinder Getreide, mahlten Körner, backten Brötchen und lernten Landmaschinen kennen. Regionale Partner waren der Pfauhof, ein Bauernhof und die örtliche Bäckerei. Durch das Projekt lernten die Kinder, wie wertvoll Lebensmittel sind. Zudem erhielten sie Einblicke in Landwirtschaft und handwerkliche Berufe.
Ausgehend vom Müllfund auf dem Schulweg lernten die Kinder beim Naturpark-Projekt „Die Sache mit dem Müll…“ mit Unterstützung von Eltern, dem Bauhof und der Firma ALBA, wie Müll entsteht, getrennt und entsorgt wird. Höhepunkt war ein Besuch bei ALBA mit praktischen Mitmachstationen. Das Projekt fördert ökologisches Bewusstsein, soziales Miteinander und wirtschaftliche Verantwortung im Alltag.





Prägende Eindrücke schaffen Heimatverbundenheit
In den Naturpark-Kindergärten lernen die Kinder die Natur und die Tiere in ihrer Region kennen. „So bauen sie schon früh eine enge emotionale Bindung zu ihrer Umwelt auf“, sagt Naturpark-Bereichsleiterin Fränze Stein bei der Auszeichnungsfeier. „Das ist für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur sehr wertvoll. Bei den Projekten kommen die Kinder ihrer Heimat mit Herz und Hand nahe. Das sind Eindrücke, die prägen.“
Die Auszeichnung zum Naturpark-Kindergarten kann ein Kindergarten in der Regel nach einem Jahr erwerben. Die Zertifizierung ist fünf Jahre gültig. Mit der Auszeichnung ist der Kindergarten dazu verpflichtet, festgelegte Qualitätsstandards einzuhalten. Dazu zählt etwa, sich aktiv mit Projekten einzubringen und dafür Partnerinnen und Partner aus der Region zu gewinnen, an Fortbildungen teilzunehmen und eine ganzheitlich nachhaltige Entwicklung anzustreben.
Hintergrund: Das Konzept der Naturpark-Kindergärten
Im Naturpark-Kindergarten lernen die Kinder bei vielseitigen Projekten ihre Heimat in der Naturpark-Region besser kennen und bauen so eine natürliche Verbundenheit zu ihr auf. Die Erzieherinnen und Erzieher machen mit den Kindern Ausflüge und besuchen regionale Fachleute aus den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, Obst- und Gartenbau, Naturschutz, Kultur und Brauchtumspflege sowie dem lokal ansässigen Handwerk. So lernen die Kinder etwa, woher die Lebensmittel kommen, wie sie sich gesund und regional ernähren können oder wie auf Bauernhöfen, Streuobstwiesen, im Forst oder im Handwerk gearbeitet wird. In den Naturpark-Kindergärten wird Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in die Praxis umgesetzt. Das BNE-Konzept ist im Bildungsplan der Landesregierung verankert.
Text/ Fotos: Gundi Woll
JN/ 07.07.2025




