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Tiersteckbrief: Der Dachs

Tiersteckbrief Dachs
Maskiert und deshalb erst recht leicht zu erkennen: der Europäische Dachs.

In der Fabel, bei den Jägern und im Volksmund heißt er „Grimbart“ und gilt als ruhig und bedächtig. Ob das wirklich stimmt, ist selten zu beobachten, denn er ist meist nachtaktiv. Der Dachs ist Europas größter Marder, das Männchen kann über 80 Zentimeter lang und über 15 Kilogramm schwer werden. Wenn man ihn denn irgendwo sieht, ist er leicht zu erkennen: an seiner „Zorro-Maske“ mit den schwarzen und weißen Streifen.

Ausdauernder Wühler

Er lebt meist am Rande von Mischwäldern und ist natürlich auch im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord anzutreffen. Er meidet aber die großen, zusammenhängenden Nadelwälder. Der Dachs gräbt seine Wohnhöhle in fünf Metern Tiefe unter dem Waldboden und ergänzt sie im Laufe der Zeit um weitere Räume und ein Tunnelsystem mit vielen Ausgängen. Ein Dachsbau kann über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte von vielen Generationen von Dachs-Klans bewohnt werden – zweilen gemeinsam mit Füchsen. In England wurde einmal ein Dachsbau untersucht, der 50 Kammern, 178 Eingänge und 879 Meter Tunnel umfasste.

Der Dachs it ein flexibler Allesfresser

Grimbart ist ständig auf Nahrungssuche. Sein Speiseplan passt sich der Jahreszeit und dem Futterangebot an, im Grunde ist er ein Allesfresser. Seine Hauptnahrung sind Regenwürmer, die im Frühjahr bis zu 50 Prozent seiner Futtermenge ausmachen können. Hinzu kommen Maden, Larven und Laufkäfer. Er erbeutet gelegentlich aber auch Mäuse, Maulwürfe und junge Kaninchen, selbst Igel sind vor ihm nicht sicher. Schließlich ist er als Marder ein Raubtier.

Im Sommer und Herbst überwiegt pflanzliche Nahrung. Dann wagt er sich auch in die Nähe von Menschen und bedient sich bei Getreide, Obst, Beeren – und auf Maisfeldern, wo er zuweilen erhebliche Schäden anrichtet. Vor allem mit Eicheln frisst er sich im Herbst seinen Winterspeck an. Der Dachs hält keinen Winterschlaf, sondern Winterruhe. Dann döst er in seinem Bau. Die Winterruhe dauert etwa von November bis Februar, je nach Witterung, und wird mehrmals unterbrochen.

Der Nachwuchs kommt blind zur Welt

Männchen und Weibchen sind fast nur  durch die Größe voneinander zu unterscheiden. Sie paaren sich meist im Juli und August, wobei sie nicht gerade monogam sind. Sieben bis acht Monate beträgt die Tragezeit der Dächsin. Die meist drei bis vier Jungen kommen Anfang März zur Welt, sind dann etwa so groß wie ein Maulwurf, hell behaart und blind. Die Mutter säugt sie etwa drei Monate lang und Anfang Juli verlassen sie erstmals den Bau. Mit etwa einem bis eineinhalb Jahren sind sie ausgewachsen.

Der Dachs kommt in ganz Europa und in weiten Teilen Asiens bis nach Japan vor. In Deutschland war er in den 1970er-Jahren stark dezimiert und stand auf der Roten Liste. Mittlerweile ist er aber wieder in fast 90 Prozent aller deutschen Jagdreviere anzutreffen. Am höchsten ist die Populationsdichte in Baden-Württemberg und Hessen. Im Jahr 2010 war der Dachs „Wildtier des Jahres“.

(Fotos: BadgerHero/wikipedia, pixabay)