Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord

Bei der Kampagne „Natur des Jahres“ werden alljährlich von verschiedenen Organisationen bedeutsame Arten der Tier-und Pflanzenwelt hervorgehoben. Auf diese Weise soll deren besondere Rolle im Ökosystem sowie deren Schutzstatus in den Blickwinkel der Gesellschaft rücken. Für das Jahr 2020 wurde vom BFA Entomologie der Schwarzblaue Ölkäfer zum „Insekt des Jahres“ gewählt.

Der Schwarzblaue Ölkäfer – Nutznießer im Wildbienennest

Die Larven des Schwarzblauen Ölkäfers (Meloe proscarabaeus) machen sich den Fleiß der Wildbienen zu Nutze: Die Larven positionieren sich auf Blumen, sodass sie von blütenbesuchenden Bienen in deren Nester transportiert werden können. Dort ernähren sich die jungen Ölkäfer übe die Bieneneier und Pollenvorräte her. Den Unterschlupf verlassen sie erst im nächsten Frühjahr. Die Ölkäfer sind so zu sagen die Kuckucke unter den Käfern. Sie leben zwei Jahre als Larve und nur einen Monat als fertiger Käfer, wenn sie sich paaren und ihre Tausenden von Eiern legen.

Nur wenige Larven überleben

Spaziergängern und Gartenfreunden fallen Ölkäfer besonders in den Monaten April und Mai auf, wenn die plumpen und flugunfähigen Insekten langsam und schwerfällig über den Weg krabbeln. Sie werden auch „Maiwürmer“ genannt. Die Käfer ernähren sich von Bärlauch, Scharbockskraut, Buschwindröschen sowie vielen anderen Blütenpflanzen und sind daher gern an Weg- und Grabenrändern, in Gärten und Auwäldern unterwegs. Die Weibchen schleppen in ihrem im Verhältnis riesigen Hinterleib bis zu 9000 Eier mit sich herum. Trotzdem überleben davon, wie Experten schätzen, oft nicht mehr als zehn Tiere. Deshalb steht der Schwarzblaue Ölkäfer in Deutschland auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. Die Entwicklung vom Ei bis zum Käfer ist sehr störanfällig. Zusätzlich setzen Lebensraumverlust und Straßenverkehr dem Ölkäfer am meisten zu.

Hochwirksames Gift

Zur Abwehr von Fressfeinden produziert der Ölkäfer das Reizgift Cantharidin. Dieses Gift verwendet der Mensch schon seit Jahrtausenden auf verschiedene Art und Weise: je nach Dosis als Medizin bei Harnwegserkrankungen, als Liebestrank oder auch als Mordwaffe. Allein die Giftdosis eines einzigen Tieres kann für einen erwachsenen Menschen tödlich sein. Die hohe Toxizität wurde im antiken Griechenland für Hinrichtungen eingesetzt, Morde mit dem Käfergift sind bis in die Neuzeit bekannt.

Manche Tiere sind immun

Bei Gefahr können die Ölkäfer eine gelbliche Flüssigkeit aus Poren an ihren Beingelenken austreten lassen. Diese erinnert stark an Öltröpfchen und gab den Käfern ihren Namen. Werden typische Fressfeinde des Ölkäfers wie Ameisen und Laufkäfer von dem Gift Cantharidin abgewehrt, so haben hingegen Igel und Vögel dagegen eine Immunität entwickelt. Für einige Käfer-, Wanzen- und Gnitzenarten ist Cantharidin sogar sehr attraktiv. Diese Tiere suchen gezielt tote oder lebende Ölkäfer und ihre Ausscheidungen auf, fressen die Ölkäfer oder stechen sie an. Das aufgenommene giftige Cantharidin wird dann für die eigene Verteidigung eingesetzt.

(Fotos: Matthias Dreizler/VDN pixabay)

3.1.2020